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Allgemeine Fragen zum Thema Sucht


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Wann spricht man von Sucht?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Sucht als einen „Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge“. Dabei sind diese Kriterien entscheidend:

  • Unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels
  • Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung)
  • Psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge
  • Schädlichkeit für den Einzelnen und oder die Gesellschaft
  • Verlust der Kontrolle über das eigene Verhalten

Der Homburger Wissenschaftler Klaus Wanke schreibt: "Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen des Individuums" Für ihn ist Sucht immer eine Krankheit.

Mehr dazu:

Symbol für externen Linkwww.who.org

Klaus Wanke und Karl Ludwig Täschner, Rauschmittel, Stuttgart 1985, S. 13

Klaus Wanke, in: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.). Süchtiges Verhalten, 1985, S. 20


Was sind Risiken süchtig zu werden?

Warum Menschen süchtig werden, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt aber einige Risikofaktoren: Wenn Kinder und Jugendliche zum Beispiel (zu) wenig Möglichkeiten haben, ihre Identität in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt zu entwickeln. Das ist der Fall, wenn ihnen Eltern, Lehrer und Ausbilder zuviel ersparen und abnehmen oder zuviel zumuten.

 

Außerdem nehmen Kinder und Jugendliche die Erwachsenen als Vorbilder wahr. Sie identifizieren sich bewusst oder unbewusst mit dem, was die Älteren tun – und kopieren dabei auch deren Strategien im Umgang mit Problemen. So gelernte Suchthaltungen werden dann abgerufen oder imitiert, wenn der Jugendliche mit außergewöhnlichen Belastungen und Konflikten konfrontiert wird wie zum Beispiel Schulversagen, Außenseiterstellung in der Klasse, Jugendarbeitslosigkeit, Bruch mit Freund oder Freundin.

Mehr dazu:

Sucht- und Drogenvorbeugung in der Schule, Soest, 1988, S. 18 f


Kann man eine Sucht überwinden?

Die körperliche Abhängigkeit von Drogen kann durch einen Entzug überwunden werden. Der dauert in der Regel einige Tage und kann sehr schmerzhaft sein. Oft ist eine ärztliche Begleitung erforderlich, unter Umständen auch ein Klinikaufenthalt. Der körperliche Entzug von Alkohol kann zum Beispiel zu lebensbedrohenden Komplikationen führen.

Die Überwindung der psychischen Abhängigkeit dauert meist länger und ist eine mit vielen Problemen verbundene Herausforderung. In einem langen Prozess geht es unter anderem darum, Lebensgewohnheiten aufzugeben und neue anzunehmen. Außerdem werden die Ursachen für die Abhängigkeit bearbeitet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Suchtberatungsstellen unterstützen bei der Überwindung einer Sucht. 

 


Wie lange können illegale Drogen im Körper nachgewiesen werden?

Wie lange eine Substanz nach dem Konsum nachweisbar ist, hängt unter anderem vom Gewicht und der körperlichen Verfassung des Konsumenten ab, von der Häufigkeit und Art des Konsums sowie der Sensibilität der Untersuchungsmethode. Deshalb sind diese Angaben nur allgemeine Richtwerte – bei starkem und regelmäßigem Konsum sind längere Nachweiszeiten möglich:

  • Im Urin sind die meisten Substanzen oder ihre Abbauprodukte rund zwei bis drei Tage nach deren Konsum nachweisbar. Canabis und dessen Abbauprodukt sind in der Regel länger nachweisbar, bei häufigerem Konsum sogar bis zu mehreren Wochen.
  • Im Blut können die aktiven Wirksubstanzen der Drogen einige Stunden lang nach dem Konsum nachgewiesen werden. Deren Abbauprodukte können aber mehrere Tage danach noch im Blut enthalten sein. 
  • In den Haaren können die meisten Substanzen und ihre Abbauprodukte über einen sehr langen Zeitraum nachgewiesen werden.

 

Wirkung

Nachweis im Blut

Nachweis im Urin

Cannabis (THC)

2-4 Stunden

bis zu 2-3 Tage bei gelegentlichem, 3 Wochen bei regelmäßigem Konsum

bei einmaligem Konsum 7-10 Tage, bei häufigerem Konsum bis zu 8 Wochen

Amphetamin (Speed)

2-4 Stunden

6 Stunden

1-4 Tage (Ausscheidung stark pH-Wert abhängig)

Ecstasy (MDMA)

3-5 Stunden

bis zu 24 Stunden

1-4 Tage (Ausscheidung pH-Wert abhängig)

LSD

6-12 Stunden

bis zu 12 Stunden

bis 3 Tage (wird in Speziallabors getestet)

Kokain

1-2 Stunden

einige Tage

Kokain einige Stunden, Stoffwechselprodukt Benzoylekgonin bis zu 3Tage - bei häufigem Konsum 15-22 Tage nachweisbar

Benzodiazepine

4-12 Stunden

einige Stunden bis Tage

geringe Mengen bis 3 Tage, nach Langzeiteinnahme 4-6 Wochen

Methadon

12-24 Stunden

1-2 Tage

bis zu 3 Tage

Codein

 

mehrere Stunden

bis zu 7 Tage


Wie lange kann Alkohol im Körper nachgewiesen werden?

Alkohol lässt sich bis zu mehrere Stunden nach dem Konsum im Blut, Atem, Schweiß, Speichel oder Urin eines Menschen nachweisen. Das Ergebnis sagt aber nichts darüber aus, ob jemand regelmäßig trinkt. Um das herauszubekommen, werden andere Methoden eingesetzt:

  • GGT-Test (Gamma-Glutamyl-Transferase)
    Bei Menschen, die täglich mehr als acht Standardgläser Alkohol – also ungefähr zwei Liter Bier – trinken, ist der Spiegel des GGT-Enzyms erhöht und leicht nachweisbar. Bei einem Konsumstopp dauert es 25 Tage, bis die Hälfte des Enzyms wieder abgebaut ist. Leberkrankheiten, Diabetes, Übergewicht und einige Medikamente können den GGT-Spiegel ebenfalls erhöhen.
  • CDT-Test (Karbohydratdefizientes Transferrin)
    Wer eine Woche lang täglich sechs Standardgläser Alkohol trinkt, hat einen erhöhten CDT-Spiegel. Der Wert halbiert sich erst nach 17 Tagen völliger Abstinenz. Eine Schwangerschaft, Leberzirrhosen und eine chronische Hepatitis beeinflussen den CDT-Spiegel ebenfalls.
  • MCV-Test (Mittleres Volumen von roten Blutkörperchen)
    Ein Alkoholmissbrauch kann auch durch ein erhöhtes Volumen an roten Blutkörperchen nachgewiesen werden. Dieser Wert bleibt auch nach mehreren Monaten der Abstinenz hoch.

Standardglas Alkohol = 0,25 l Bier = 10 g reiner Alkohol

Mehr dazu:

Symbol für externen Linkwww.sfa-ispa.ch

Jean-Bernard Daeppen (2003): Vade-mecum d’alcoologie. Editions Médecine & Hygiène.

Helmut K. Seitz und andere (2000): Handbuch Alkohol. Alkoholismus, alkoholbedingte Organschäden. Johann Ambrosius Barth Verlag.

 


Wie reduziere ich die Risken beim Drogenkonsum (Safer Use)?

Wer Drogen konsumiert, gefährdet seine Gesundheit. Das gilt auch, wenn man sich bei der Einnahme an die unten beschriebenen Regeln des sicheren Konsums hält. Der sogenannte Safer Use verringert lediglich das Risiko von Nebenwirkungen und Spätfolgen, ohne sie ganz auszuschließen. Das gelingt nur durch die Entscheidung, keine Drogen mehr einzunehmen.

  • Keine Alleingänge: Wenn Du Drogen nimmst, solltest Du Freunde bei Dir haben. Die können helfen, wenn es Dir durch die Einnahme schlecht geht und im Notfall einen Arzt holen. 
  • Immer testen: Drogen wirken bei jedem Menschen unterschiedlich. Teste jede neue Substanz zuerst in kleinen Mengen. Lass Dir dabei Zeit, denn viele Stoffe entfalten erst spät unerwünschte Wirkungen.
  • Keine schlechte Stimmung: Drogen verstärken Stimmungen. Verzichte deshalb darauf, wenn es Dir schlecht geht oder Du Dich mies fühlst. Probleme lassen sich mit Drogen nicht wegzaubern – auch wenn sich das kurzfristig so anfühlt. Im Gegenteil: Die daraus entstehende Sucht, sorgt für viel mehr Probleme.
  • Vorher planen: Überlege vorher, welche Drogen und wie viel Du davon nehmen willst. Bespreche das mit Deinen Freunden. Im Rausch entsteht oft eine Gier nach mehr, die nicht zu kontrollieren ist. Sie ist kann Ursache für gefährliche Überdosierungen sein. 
  • Nachfragen: Informiere Dich vor dem Kauf bei anderen Konsumenten, welche Erfahrungen sie mit dieser Droge gemacht haben. Achte darauf, dass Dir keine Nachahmerprodukte untergejubelt werden, deren Wirkungen Du nicht kennst. Vermeide Kapseln oder Pülverchen, da diese gestreckt sein können.
  • Kein Straßenverkehr: Auch wenn Du denkst, die Wirkung der Droge ist abgeklungen: Hände weg vom Steuer. Deine Reaktionen sind auch lange Zeit nach der Einnahme eingeschränkt und Du gefährdest Dich und andere Menschen. Stoppt Dich die Polizei mit Spuren von Drogen im Blut, ist der Führerschein weg. 
  • Regeln für Dauerkonsumenten: Du solltest immer wieder Konsumpausen einlegen, bei einem Stoff bleiben und nicht durcheinander konsumieren. Achte auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. Lasse Deinen Gesundheitszustand regelmäßig von einem Arzt kontrollieren. Ärzte unterliegen der Schweigepflicht. Benutze nur eigene Spritzen und ersetze diese regelmäßig durch neue.