Suchtberatung
Wurden Opiate in der Medizin verwendet?
Welche Risiken hat der Heroinkonsum?
Welche langfristigen Folgen entstehen durch den Heroinkonsum?
Wie entsteht die Heroinabhängigkeit?
Was sind Entzugserscheinungen?
Heroin gehört zu der Substanzgruppe der Opiate und Opioide. Ausgangsstoff für die Heroinherstellung ist das Rohopium, das durch Anritzen der unreifen Fruchtkapseln des Schlafmohns gewonnen wird. Durch verschiedene chemische Prozesse wird schließlich Heroin hergestellt.
Das auf dem illegalen Markt erhältliche Heroin wird in verschiedenen Qualitäten angeboten und enthält noch weitere hinzugemischte Substanzen. Der Wirkstoffgehalt schwankt stark.
1806 gelang es dem deutschen Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner erstmals, den Hauptwirkstoff des Opiums - das Morphin - zu isolieren. 1828 wurde die Substanz von der Firma Merck als stark wirkendes Schmerzmittel auf den Markt gebracht. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurde Morphium in großem Umfang bei der Behandlung von Verwundeten eingesetzt, mit der Folge, dass zahlreiche Verwundete morphinabhängig wurden. 1874 wurde erstmals das so genannte Diamorphin synthetisiert, mit dem Ziel, ein ähnlich schmerzstillendes Mittel aber ohne Abhängigkeitspotenzial zu schaffen, 1898 wurde es von den Aktiengesellschaften Farben (heute: Bayer) in großem Maßstab hergestellt und unter dem Namen Heroin als Mittel gegen Husten, als Schmerzmittel, zur Behandlung von Morphiumabhängigkeit u.a.m. vermarktet. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieses Mittel um ein Vielfaches stärker als Morphin ist, und auch ein wesentlich höheres Abhängigkeitspotenzial besitzt. Aufgrund dessen wurde Heroin zunächst als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel eingestuft und internationalen Handelsbeschränkungen unterworfen, bevor es schließlich in den meisten Ländern verboten wurde.
Mit dem Verbot der Substanz setzte gleichzeitig der illegale Handel mit Heroin ein. Mit in Westdeutschland stationierten US-Soldaten trat 1968 erneut Heroin in Deutschland auf. Im April 1971 wurde Heroin in Deutschland verboten.
Mitentscheidend für die Wirkung des Heroins sind vor allem der Grundzustand und die Bedürfnisse des Konsumenten. In der Regel wirkt Heroin beruhigend, entspannend und schmerzlösend, gleichzeitig bewusstseinsmindernd und stark euphorisierend. Heroin dämpft die geistige Aktivität und beseitigt negative Empfindungen wie Angst, Unlust und Leere. Probleme, Konflikte und Belastungen des Alltags werden nicht mehr als solche wahrgenommen, unangenehme Wahrnehmungen und Reize werden ausgeblendet. Der Konsument fühlt sich glücklich und zufrieden. Die Wirkungen treten bereits kurz nach der Verabreichung ein.
Heroin vermindert: Schmerz, Angst und Depressionen, Hustenreiz und Atembeschwerden, Durchfall
Heroin steigert die Euphorie, das Wohlbefinden und die Selbstzufriedenheit.
Heroin beruhigt.
Heroin löst nach wenigen Sekunden den so genannten «Flash» aus. Danach stellt sich ein Zustand der Beruhigung ein. Die Droge stillt Schmerzen und versetzt in eine euphorische Stimmung. Heroin wirkt auch erregend auf das Zentralnervensystem. Das Selbstvertrauen nimmt zu, Ängstlichkeit und Anspannung treten in den Hintergrund.
Bei intravenöser Injektion erreicht der Wirkstoff über die Blutbahn sehr rasch das Gehirn und wirkt unmittelbar auf das zentrale Nervensystem.
Eine Heroindosis wirkt fünf bis acht Stunden nach der Einnahme nur noch halb so stark. Die Ausscheidung der Substanz erfolgt vorwiegend mit dem Harn. Heroin ist im Urin schwer nachweisbar.
Neben der Gefahr einer schnellen Abhängigkeit und den damit verbundenen körperlichen und sozialen Konsequenzen, hat Heroin auch eine Reihe akuter Risiken. Dies wird vor allem auf seine starke Wirksamkeitzurückgeführt. Die toxische Wirkung setzt bereits bei 5 mg ein, wenn jemand nicht an die Substanz gewöhnt ist. Auch eine zuvor gewohnte Dosis kann nach kurzzeitigem körperlichen Entzug bereits zu schwerwiegenden bis tödlich endenden Komplikationen führen. Heroinkonsum kann mit einer tödlichen Vergiftung enden.
Eine Heroinvergiftung zeigt sich in Bewusstlosigkeit, Atemdepression und Kreislaufversagen mit Verlangsamung der Herztätigkeit. Die meisten Todesfälle infolge einer Überdosierung sind auf die Lähmung des Atemzentrums zurückzuführen. Lungenödeme und Embolien können ebenfalls als Folge einer Heroinvergiftung auftreten. Heroin wird auf dem illegalen Markt in sehr unterschiedlichen Qualitäten gehandelt. Der Konsument kann die jeweilige Qualität kaum bestimmen bzw. kontrollieren. Daher kann es aufgrund besonders reinen Heroins oder infolge giftiger Beimengungen zu einer tödlichen Überdosis kommen.
Ein weiteres hohes Risiko, sich beispielsweise mit Geschlechtskrankheiten, HIV oder Hepatitis zu infizieren, entsteht durch den Gebrauch nicht steriler Spritzen.. (DHS)
Heroinkonsum führt vor allem zu zahlreichen schweren Folgestörungen körperlicher und sozialer Art. Ein großer Teil der körperlichen Folgeschäden steht dabei in engem Zusammenhang mit der speziellen Verabreichungsform des Spritzens und der allgemein gesundheitsbelastenden Lebensweise Heroinabhängiger. Zu den häufigsten gesundheitlichen Folgeschäden gehören Leberschäden sowie Magen- und Darmstörungen bis hin zum Darmverschluss, starke Gebissveränderungen durch Karies und Zahnausfall sowie Erkrankungen der Atemorgane, insbesondere der Lunge. Infolge der intravenösen Verabreichung kommt es häufig zu lokalen Infektionen, beispielsweise in Form von Abszessen oder Entzündungen von Lymphgefäßen oder Zellgewebe. Darüber hinaus kann es zu schweren Schädigungen der Venen und zu Herzentzündungen kommen. Nicht selten ziehen sich Konsumenten im Rauschzustand oder im Rahmen von Hirnkrämpfen Arm-, Bein- oder Schädelbrüche zu. Bei Männern kann es zudem zu Potenzstörungen, bei Frauen zu Menstruationsstörungen kommen.
Neben diesen schwerwiegenden körperlichen Folgen können mit dem chronischen Heroinkonsum vor allem Veränderungen der Persönlichkeit und der sozialen Situation verbunden sein. Aufgrund des hohen Bedarfs an Heroin und den damit verbundenen Kosten kann es zu Beschaffungskriminalität und Prostitution kommen.
Heroin gilt als das Suchtmittel mit dem höchsten Abhängigkeitspotenzial - sowohl hinsichtlich der körperlichen als auch der psychischen Abhängigkeit. Bereits nach kurzzeitigem regelmäßigem Heroinkonsum kann eine Abhängigkeit entstehen. Hinzu kommt eine sehr rasche Gewöhnung und Toleranzbildung. Als Folge muss die Substanz dem Körper in immer kürzeren Abständen und in immer höheren Dosen zugeführt werden, um den Entzugserscheinungen entgegenzuwirken. Entzugserscheinungen sind dabei leichte Symptomen wie Schwitzen, Frieren und Zittern bis hin zu starken Gliederschmerzen, Schlafstörungen und schweren Kreislaufzusammenbrüchen.
Heroin hat ein extrem hohes Abhängigkeitspotenzial. Eine Abhängigkeit von Heroin bedeutet daher auch starke Entzugserscheinungen bei Beendigung oder Reduktion des Konsums.
Ein Entzug bringt sowohl körperliche als auch psychosomatische Entzugserscheinungen mit sich. Diese reichen von verhältnismäßig leichten Symptomen wie Schwitzen, Frieren und Zittern bis hin zu starken Gliederschmerzen, Schlafstörungen und Kreislaufzusammenbrüchen.
Ein «kalter Entzug» wird ohne Unterstützung durch Medikamente durchgeführt. Seine Symptome beginnen etwa acht Stunden nach dem letzten Heroinkonsum, erreichen 36 bis 72 Stunden nach der letzten Injektion ihren Höhepunkt und sind nach sieben bis zehn Tagen überstanden. In einem «warmen Entzug» werden die Entzugserscheinungen durch Medikamente gelindert.